Zwischen Hate und Herzklopfen: Wie ich online (emotional) blank gezogen habe und trotzdem ich geblieben bin.

Shownotes

Zwischen Hate und Herzklopfen: Wie ich online (emotional) blank gezogen habe und trotzdem ich geblieben bin

Ein Foto. Tausende Likes. Und plötzlich ein Kommentar, der alles infrage stellt.

Wie geht man damit um, wenn man sich im Internet zeigt, persönliche Geschichten teilt und gleichzeitig mit Hass, Kritik und Erwartungen konfrontiert wird? Wie schafft man es, authentisch zu bleiben, ohne sich selbst zu verlieren?

In dieser Folge spricht Autorin, Podcasterin und Influencerin Jana Crämer offen über ihren Weg aus der Essstörung, über Bodyshaming, Mobbing und die Schattenseiten von Social Media. Sie erzählt, warum Ehrlichkeit ihre größte Stärke geworden ist, weshalb sie Hasskommentare heute anders bewertet als früher und warum Selbstfürsorge manchmal bedeutet, Grenzen zu setzen und einfach offline zu sein.

Ein Gespräch über Mut, Verletzlichkeit und die Frage, wie wir auch in einer digitalen Welt bei uns selbst bleiben können.

In dieser Folge erfährst du:

  • warum Likes niemals Selbstwert ersetzen können
  • wie Jana gelernt hat, mit Hasskommentaren umzugehen
  • weshalb Offenheit verletzlich macht – aber auch befreien kann
  • was Bodyshaming und Mobbing langfristig mit Menschen machen
  • warum viele Jugendliche Influencer werden möchten – und welche Risiken dahinterstecken
  • wie Social Media Einsamkeit verstärken, aber auch verbinden kann
  • weshalb echte Beziehungen wichtiger sind als digitale Reichweite
  • welche Strategien helfen, sich online emotional zu schützen
  • warum Grenzen setzen ein wichtiger Teil von Resilienz ist
  • welches einfache Abendritual Jana nutzt, um ihre eigenen Ressourcen zu stärken

Ein zentrales Fazit dieser Folge:

Nicht die Kommentare anderer bestimmen deinen Wert – sondern der Umgang mit dir selbst.

Diese Podcastfolge ist Teil unserer Resilienz-Kampagne MACH DICH UNKAPUTTBAR.

Mehr Informationen findest du unter: https://www.mach-dich-unkaputtbar.de

Transkript anzeigen

00:00:10: YoYo Schweizer: Ein Post geht online. Innerhalb weniger Minuten kommen Herzen, Likes und Nachrichten voller Dankbarkeit und Liebe. Und dann mittendrin und einfach dazwischen. Ein Hate-Kommentar. Einer, der nicht nur kritisiert, sondern richtig trifft. Wer sich im Netz zeigt, macht sich sichtbar, aber eben auch verletzlich. Wie, Wie sehr solche Kommentare treffen und wie viel Mut es braucht, über Themen zu sprechen, die man eigentlich gerne unter den Teppich kehrt, darüber sprechen wir heute mit Jana Krämer.

00:00:40: YoYo Schweizer: Sie kennt genau diesen Spagat, spricht öffentlich über ihre Essstörung, Körperbild, Scham, Einsamkeit und Krankheit. Sie zeigt sich ehrlich, manchmal schonungslos, offen und bleibt bei sich. Für viele 1000 Menschen ist sie Mutmacherin und Vorbild. Heute sprechen wir darüber, wie man online emotional blankziehen kann, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Mein Name ist Julius Schweizer und ich darf euch und Sie heute herzlich begrüßen zu einer neuen Folge im Resilienz Podcast 'Mach dich unkaputtbar' mit dem Titel 'Zwischen Hate und Herzklopfen: Wie ich online blankgezogen habe und trotzdem ich geblieben bin'.

00:01:18: YoYo Schweizer: Ein ganz herzliches Willkommen, Jana Krämer.

00:01:22: Jana Crämer: Vielen, vielen Dank. Na, was für eine Einleitung.

00:01:25: YoYo Schweizer: Ja, hab ich mir extra für dich ausgesucht. Jana, direkt dich zugehört und dachte so, noch mal bitte. Ich dachte gerade so,

00:01:33: Jana Crämer: Wow, wow, dachte ich gerade über, über welche Frau sprichst du da und dann bin ich immer ganz stolz, wenn es um mich geht. Das ist irgendwie krass, manchmal trau, trau ich mir das gar nicht zu, was ich mich alles traue. Du traust dich so viel,

00:01:45: YoYo Schweizer: Es ist unfassbar, wirklich, wirklich. Und deshalb gleich eine Frage an dich, heute schon gepostet. Heute Morgen,

00:01:54: Jana Crämer: Tatsächlich bis jetzt, nur mein Frühstück. Das Post, also ich alles, was ich esse, poste ich seit, ich glaube, inzwischen 10 Jahren, weil ich damals so meinen Weg raus aus der Essstörung zeigen wollte. Und am Anfang war das ganz viel mit Disziplin, Kontrolle und Zwang und irgendwann war ich dann gesund, hatte keine Essstörung mehr und hab damit aufgehört, weil ich das ja eigentlich in erster Linie für mich gemacht habe. Ich wollte zwar alle draußen mitnehmen, aber ich dachte, ja, jetzt, Bin ich ja gesund, dann warum. Und plötzlich kamen Nachrichten von Kliniken, von Psychologen, von Therapienetzwerken, die gesagt haben, Jana, da fehlt was, wir arbeiten damit, wir haben unsere Patienten und Patientinnen und wir wollen zeigen, dass ein gesunder Umgang mit Essen auch nach einer Krankheit, wie eine Essstörung, wieder möglich ist.

00:02:44: Jana Crämer: Und seitdem mach ich das einfach weiter. Die Fotos sind nicht mehr so schön,

00:02:49: YoYo Schweizer: Aber sie sind ehrlich, das ist doch schön. Kann man von einer Essstörung geheilt sein?

00:02:57: Jana Crämer: Ja, Auf jeden Fall. Früher habe ich immer, wenn so Menschen, ich wurde, seit ich das öffentlich gemacht hab, immer so zur Podiumsdiskussion und sowas irgendwie eingeladen und wenn dann irgendjemand so von, Ja ehemaligen Patienten, die inzwischen geheilt sind, gesprochen hat, hab ich so innerlich die Augen verdreht und hab gedacht, boah, geh mir weg mit Heilung, ich will es doch einfach nur im Griff haben, ich will doch einfach nur wieder mein Essen unter Kontrolle haben und nicht endlos weiter zunehmen, aber komm mir nicht mit Heilung, dieses in Anführungsstrichen Frieden mit dem Essen schließen, das hat mich total getriggert, ich hab mich da ja richtig so gewehrt, weil ich.

00:03:35: Jana Crämer: Gar nicht gedacht hab, dass noch irgendwas von mir übrig ist, wenn diese Essstörung irgendwann weg ist. Und heute kann ich sagen, ja, Essen ist irgendwann einfach nur noch Freiheit, Genuss und gar nicht mehr so ein, so ein, so ein Thema. Früher haben Kalorien und Nährwertgehalt und so weiter mein ganzes Denken bestimmt, wenn ich wach war und inzwischen ist es ja, ich denk drüber nach, wenn es Thema ist oder wenn ich gefragt werde, aber gar nicht mehr, Irgendwie, dass es die Hauptrolle spielt.

00:04:07: Jana Crämer: Ganz im Gegenteil, es ist schön, die, die ja.

00:04:09: YoYo Schweizer: Inzwischen wirklich eine der schönsten Sachen. Großartig, du hast gerade gesprochen, du hast es dann früher gemacht für dich als Selbstkontrolle und es haben dir Menschen zugeschaut. Ja, wie war denn der Punkt, als du gemerkt hast, jetzt zählen nicht nur ein paar Menschen zu, sondern eine riesige Öffentlichkeit, dass auch die Kliniken dich angeschrieben haben, gesagt, hey, da fehlen deine Essensbilder, wie, wie ist das, wenn man das merkt, so es ist.

00:04:33: Jana Crämer: Die ganze Zeit irgendwie entspannt, bis man sich die Menschen, die einem folgen, so auf einem Platz vorstellt. So, wenn es nur online eine Zahl ist, wenn mir zwischendurch irgendwie so mein Team sagt, hey, du hast jetzt auf allen Plattformen zusammengenommen über 10 Follower, dann denkt man sich so, O. K., krass, ist eine große Zahl, aber wenn man sich mal 10 Menschen auf einem Platz vorstellt, dann ist das schon echt überwältigend. Aber so, Dieses, dass es online so ist, das find ich gar nicht mal so krass, sondern ich find es dann immer total beeindruckend, wenn wenn es in der Wirklichkeit passiert, wenn ich irgendwie spazieren geh und plötzlich jemand so so diesen Glanz in den Augen plötzlich hat, mein bester Freund, wenn wir zusammen unterwegs sind und sagt, boah, das ist als ob man mit einem Delfin spazieren geht, die Leute, wie die dich anstrahlen, das ist total krass.

00:05:26: Jana Crämer: Und ja, das lieb ich total, wenn es dann so analog, Passiert, dass man voreinander steht und dass man dann ja einfach kurz spricht und irgendwie sofort dieses Gefühl ist, als wär ich eine Freundin, eine Vertraute, das find ich total schön.

00:05:43: YoYo Schweizer: Wird das nicht zu viel irgendwann? Also du hast ja.

00:05:47: Jana Crämer: Einfach eine Millionen Follower. Ja, aber es hat sich auch verändert. Also es es war mal zu viel, weil da ja viele, besonders Jugendliche, Bei mir zu Hause vor der Wohnung gecampt haben und das war natürlich, also es war ab dem Moment dann natürlich schwierig, auch weil die Nachbarn genervt waren und plötzlich war da eine Drohne, die vorm Fenster geflogen ist. Also das ist dann schon beängstigend und da sind wir dann auch einmal umgezogen.

00:06:18: Jana Crämer: Aber jetzt wohn ich in einer sehr, sehr kleinen, schnuckeligen Stadt Haltern am See und hier kennt gefühlt jeder jeden und, Da spielt es gar keine Rolle, ob ich hier bin oder nicht, das juckt niemanden und ich lieb es.

00:06:33: YoYo Schweizer: Wie schön, wir, wir Zuschauer von dir, wir denken, wir kennen dich, wir lesen deine Bücher, wir hören den Podcast, den du machst, deine Social Media Kanäle, kann man ja alles stalken, aber wie würdest du dich denn selbst beschreiben, jenseits dieser ganzen öffentlichen Rolle,

00:06:54: Jana Crämer: Das ist das Schöne, ich muss keine Rolle erfüllen, ich hab mich, Länger als mein halbes Leben versteckt. Ich hab mich für alles geschämt, ich hab mich dafür geschämt, dass ich noch nie eine Beziehung hatte, ich hab mich für mein Aussehen geschämt, ich hab mich für meine Gedanken geschämt, ich hab mich ach für meine, ich bin sehr, sehr übersprudelnd. Also wenn ich etwas, wenn mich etwas emotional erreicht, dann 100% und zwar in alle Richtungen und dafür hab ich mich früher geschämt. Ich dachte immer, ich bin zu viel, zu viel von allem.

00:07:27: Jana Crämer: Und da hatte ich gar keinen Bock mehr drauf irgendwann und inzwischen kriegt jeder nur noch die ungefilterte Wahrheit und wem es nicht passt, der kann halt gehen, sowohl online als auch offline und ich hab gar keinen Bock mehr, mich für irgendwas zu schämen. Also das hab ich wirklich gelernt und da bin ich ganz, ganz glücklich, schämen muss man sich nur für ein scheiß Charakter, für nichts sonst und das zieh ich durch und ich sag nicht, dass ich jeden Tag irgendwie, Die Happyianer bin, die die meisten aus dem aus dem Internet kennen.

00:07:58: Jana Crämer: Aber ich poste auch genau die dunklen Momente, nur die gehen halt nie viral. Deswegen kriegen es wenig Menschen mit. Aber deswegen, wer mir wirklich online folgt und an meinem Leben online so ein bisschen teilnimmt, der kennt ja jede Seite von mir und da nee, mehr gibt es auch nicht.

00:08:19: YoYo Schweizer: Das ist wunderbar. Es fällt dir scheinbar total leicht, über Themen wie die Essstörung zu sprechen, wie Scham, wie Einsamkeit, wie keine Beziehung. Andere würden sagen, boah, das ist mir aber jetzt ganz schön privat, das wär mir jetzt peinlich, das erzählt man nicht, du machst das locker flockig oder fällt dir das auch manchmal schwer?

00:08:42: Jana Crämer: Nee, das fällt mir überhaupt nicht schwer. Früher war das für mich ein Riesending, weil ich mich halt für mich selbst geschämt hab und ja, wenn ich ehrlich bin, also, Wenn ich mich selbst hätte verlassen können, ich hätte es getan. Ich hab gar nicht verstanden, warum Menschen mit mir befreundet sein wollen, weil ich ja auch die ganze Zeit ja ein Doppelleben geführt hab, nach außen hin immer so die, die alle haben immer gesagt, hey, du bist so die Strahlemaus und unser Sonnenschein, aber das war halt wirklich nur eine Rolle damals. Und inzwischen ist es so, dass ich dieses, dieses Verstecken so leid war, dass ich Stück für Stück angefangen habe,

00:09:20: Jana Crämer: Mich zu öffnen und am Anfang fiel mir das gar nicht leicht. Also das war wirklich ein bisschen oder ist immer noch ein Prozess, aber damals hab ich, ich war Musik Managerin und mein bester Freund war Bassist in der Band, die ich gemanagt hab und es war gemeinsam auf Tour zu sein eine Herausforderung, ne, also mit einer Essstörung und 180 Kilo in einem Nightliner unterwegs zu sein, indem du irgendwie nur seitwärts durch die, Sitz reingehen kannst, wo du mit anderen Menschen essen musst, obwohl Essen so der Endgegner ist.

00:09:52: Jana Crämer: Und stell dir das vor, du kommst in einen großen Club. Und du kommst in Backstage und da ist immer dieser eine große Catering Tisch und da ist dann halt Essen für 18 Personen und zwar alles, was du dir vorstellen kannst und jemand mit einer Essstörung, für den ist das natürlich die Hölle und auf Tour zu sein bedeutet einfach nie für sich zu sein. Du bist von morgens, ja, du bist rund um die Uhr mit den anderen zusammen, du schläfst im Bus, du isst in der Location und.

00:10:25: Jana Crämer: Du hast die ganze Zeit diesen Druck der Essstörung, aber du kannst es halt nie ausleben, weil du nie ungestört bist. Teilweise hab ich dann ja nachts im, wenn wir auf einer Raststätte halt gemacht haben, hab ich das, was ich tagsüber heimlich so abgekatert, das sagt man so, also wenn du quasi das Catering plünderst, hab ich mir das in so Stoffbeutel verschwinden lassen und wenn dann nachts Pinkelstopp auf der Raststätte war, Bin ich auf die versiffte Toilette gegangen und hab mir innerhalb von 5 Minuten 3 Tafeln Schokolade, 250 Gramm Nüsse und 3 Päckchen Weingummi reingepfiffen, ne, einfach nur um diesem Druck nachzugeben und das ist natürlich den ganzen Tag über Anspannung und dann Entladung und das kennen wir ja alle, auf Druck kommt immer Gegendruck und je mehr du die Essstörung bekämpfst, desto krasser wird sie natürlich und irgendwann.

00:11:21: Jana Crämer: Habe ich mich mit meinem besten Freund nur noch gestritten, also er hat mir auch Gründe geliefert, sind wir mal ehrlich, ne, also er ist sehr unpünktlich, er sagt sein Leben ist Gleitzeit, aber ich war dafür verantwortlich, dass die Band pünktlich ist, sowohl bei Soundcheck Interviews als auch allem anderen und wenn du dann da so einen dazwischen hast, der eben aus der Reihe tanzt, das knallt dann ordentlich, aber ja, ich hätte halt nicht so aus der Haut fahren müssen und irgendwann ist er immer unglücklicher geworden und er hat Dann gesagt, ja, wir streiten uns halt nur noch.

00:11:52: Jana Crämer: Und da dachte ich halt, da muss ich jetzt was machen, da muss ich mich öffnen, da ist mir sein Gefühl wichtiger als meine Scham. Und da hab ich in meinem Leben aufgeschrieben, hab ihm mein Tagebuch gegeben, hab gesagt, hier, lies mal, es liegt nicht an dir, dass wir uns nur streiten. Und das war so der erste Moment, wo ich dann gelernt hab, ich kann über meine dunkelsten Geheimnisse sprechen und da ist jemand,

00:12:16: YoYo Schweizer: Der bleibt. Und das hast du dann quasi auch noch, Ins Internet übertragen in Social Media. Genau, du hast,

00:12:23: Jana Crämer: Da hab ich es dann fortgeführt,

00:12:25: YoYo Schweizer: Du hast und das ist ja auch der Titel unseres Podcasts blank gezogen, tatsächlich die Hüllen fallen lassen. Erzähl doch einfach mal ganz kurz für alle, die dir vielleicht bisher nicht folgen, die nicht so viel unter online unterwegs sind, was hast du gemacht, wann war das?

00:12:43: Jana Crämer: Meine Beste Freundin Tühi hat geheiratet und, Ich hatte damals ganz, ganz viel abgenommen, ich hab vor 180 Kilo gewogen und da hab ich nie darüber nachgedacht, mein Kleid zu tragen und als sie dann geheiratet hat und ich in ein Kleid gepasst habe, hab ich gedacht, krass, damit, weil sie sich das immer gewünscht hat, mache ich ihr eine Freude und dann hab ich mich so schön gefühlt in dem Kleid, dass ich ein Foto davon online gestellt habe und darunter gab es dann unfassbare, Unfassbar viele Kommentare von Menschen, die gesagt haben, boah krass, wie du abgenommen hast, ich mach jetzt auch eine Crash Diät und das wurden ja zigtausend Kommentare, das wurden unzählige Nachrichten von Menschen, die gesagt haben, hey, ich wieg auch ja 50 oder 6070 8090 Kilo mehr als ich wiegen sollte und dein Foto ist jetzt der letzte Anstoß, ich will das auch erreichen, ab morgen ess ich nichts mehr und es war.

00:13:43: Jana Crämer: Für mich das Allerallerschlimmste, das auszulösen mit einem Moment, der eigentlich ja pure Freude für mich bedeutet hat. Ich war damals noch essgestört, ich hab nicht soweit gedacht, dass dieser Moment, den ich als für mich sehr, sehr schön empfunden habe, sehr krank, aber in meinem Kopf war er damals sehr schön, dass ich damit für andere Motivation bin, so eine scheiß Challenge zu machen, Und dann hab ich mit meinem besten Freund gesprochen, hab gesagt, ey, das ist hier eine völlig falsche Richtung, die das Ganze nimmt.

00:14:17: Jana Crämer: Was soll ich denn jetzt nur machen? Ich schreib denen, dass das halt unter dem Kleid, dass ich viel zu schnell abgenommen habe und dass mein Körper überhaupt nicht mitgekommen ist und keiner will das hören, keiner will das, ne, keiner will wissen, was wirklich los ist. Und ja, da hab ich dann als einzige Möglichkeit gesehen zu zeigen, was unter dem Kleid ist, Und dann hab ich mich entschieden, Nacktfotos zu machen und mein bester Freund war erstmal so: 'Oh Gott, oh Gott, was hast du dir jetzt wieder überlegt?' Und ich hab ihm gesagt: 'Nee, ich glaub, man muss jetzt einfach ehrlich sein, weil ich hab Angst, dass ich in den Menschen das auslöse, wovor ich eigentlich die ganze Zeit warnen und schützen will.' Und dann hat er gesagt: 'Ja, gut, dann komm ich mit, dann bin ich dabei, dann machen wir das.'.

00:15:08: Jana Crämer: Und dann haben wir einen befreundeten Fotografen, Ben, gefragt, ob er das wohl machen würde und jetzt sagt er, ja klar, easy, machen wir. Ja, und dann war das total krass, ich hab so gedacht, dass also ich wollte nicht ganz nackt sein und mein Bauch, der hängt zum Glück so sehr, dass er, was heißt zum Glück, also du weißt, wie ich es meine, ne, also der hängt so, ich kenne das, der Liebebereich bedeckt, dachte, dachte ich so geil, also da unten ist schon mal alles safe und dann dachte ich, Na ja, aber die Brustwarzen, nee, die sind mir auch, das ist mir schon zu intim, ne.

00:15:41: Jana Crämer: Und dann hab ich mir, hab ich mir so Nippel Patches gekauft und dann komm ich eben so, ich hatte so ein Bademantel und komm dann so aus der Toilette drin, war schon das ganze Set aufgebaut, so wir haben so ein Holzschemel und so eine so so ein in so einer weißen Hohlkehle und Kamera und Licht und alles drum und dran und dann hab ich meinem besten Freund gesagt, hab ich gesagt so bevor wir da jetzt reingehen, du musst einmal kurz gucken, Und dann sagt er, ja O. K. Und dann guckt er so auf meine auf meine Nippel Patches und sagt, es ist jetzt dein Ernst, du bist komplett nackt, aber hast da so Kleber, sag ich, ja, sagt er, ist schon ein bisschen albern, ne, sag ich, ja O.

00:16:18: Jana Crämer: K. Komm und dann hab ich die auch noch abgemacht, sagt er, ja geht doch und dann hat sich das, also es war halt einfach auch eine sehr, sehr aufregende Situation, aber plötzlich war klar, Ja, es ist einfach nur ein Körper, also ist jetzt kein Weltuntergang und dann ja, war eine sehr, sehr lustige Situation. Ich saß dann so im Schneidersitz und Ben, der Fotograf, hat gesagt: 'Ja, na, bleib mal so sitzen, ich muss noch ein bisschen was am Licht regeln.' Und es dauerte und dauerte und ich saß da so quasi schon in so einer, dass ich nicht meditiert hab, war alles in so einer in so einer Zen-Haltung, hatte auch so die Augen geschlossen und wollte und hab so ein bisschen geatmet.

00:17:00: Jana Crämer: Mit, um so ein bisschen runterzukommen, ne. Und dann irgendwann hat er nicht drüber nachgedacht und hat gesagt, Sekunde dauert noch ein bisschen, aber ist ja gut, dass du Sitzfleisch hast. Und dann war so Sekunde Totenstille und dann ist es so aus uns allen rausgebrochen, wir mussten so lachen und das war wirklich so der Moment, wo alles abgefallen ist und ab dem Moment war es nur noch ein Heidenschwanz.

00:17:25: YoYo Schweizer: Wie schön, ja, das ist großartig. Also ich meine nächste Frage wär jetzt gewesen, was dir schwerer gefallen ist, die seelische oder die körperliche Nacktheit bei den Bildern. Also körperlich war es dann gar kein Problem mehr oder nee,

00:17:38: Jana Crämer: Gar nicht mehr, überhaupt nicht und es war dann total krass, weil unsere, ich sag mal, die die die Zeitung mit dem großen Buchstaben hat das Foto dann einmal komplett, Komplett über eine Doppelseite, also wirklich sehr, sehr, sehr groß gedrückt und dann das mutigste Nacktfotos des Jahres oder irgendwie sowas in der Art und in dem Text stand dann auch, dass ich halt noch Jungfrau bin und ungeküsst und so weiter und dann stand ich an dem Tag, als die Zeitung erschienen ist, stand ich in in einem Supermarkt an der Kasse und mir gegenüber war der Bäcker und da war ein älterer Herr, guckte auf die Zeitung, guckte mich an, guckte wieder in die Zeitung.

00:18:20: Jana Crämer: Und rief so einmal quer rüber, das mit dem Ungeküsst, das kann ich ändern. Oh Gott, wie goldig.

00:18:28: Jana Crämer: Oh herrlich. Und auch das, das war wieder so schön, das war so wirklich. Also ich glaub, wenn man ehrlich ist und wenn man einfach auch vor allem das alles nicht so ernst nimmt, dann passieren die großartigsten Dinge. Es ist so lustig und ganz ehrlich, inzwischen ja, Du hast es vorhin angesprochen, es passiert auch sehr, sehr, sehr viel Hate online und das ist halt ja, das hat alles so die diese Medaille von dem Moment, dass man merkt, hey, ich darf andere Menschen inspirieren und ich darf diesen Moment haben, dass mich andere Menschen anschauen, als wär ich irgendwie ein Delfin oder ein Einhorn, was um die Ecke kommt, was ja auch mich immer richtig doll auflädt, ne.

00:19:07: Jana Crämer: Also das ist für mich auch immer so ein toller Moment, wenn ich seh, die Augen werden einmal groß und das ist dann, Schon schön, das ist für mich auch unglaublich, das gibt mir ganz, ganz viel, aber du hast natürlich online auch die Schattenseiten, ebenso gab es nachdem nach diesen Fotos so Kommentare, wo dann eine Frau drunter geschrieben hat, man sollte mir, also sie würde mir wünschen, dass ich so lange vergewaltigt werde, dass ich nicht mehr darauf stehe für diese Fotos und ja, und das, das war dann am Ende so krass, weil.

00:19:38: Jana Crämer: Ich hab halt eine große und eine sehr, sehr starke Community, die auch sehr für mich einsteht und ja, die haben dann in Windeseile Adresse und alles von ihr rausgefunden und irgendwann musste ich diese Frau dann schützen und hab den Beitrag von ihr online genommen und hab meine Community so ein bisschen beruhigt, hab gesagt, ey Leute, so ein Kommentar, den schreibt man nicht, das denkt man nicht mal, aber dieser Kommentar sagt nichts über mich aus, sondern nur etwas über diese Frau und deswegen, das, Das ist eine Sache, die ich inzwischen gelernt habe.

00:20:10: Jana Crämer: Jedes Feedback, was man irgendwie bekommt und das kann ich auch nur jedem, ja so ans Herz legen, egal was jemand über euch sagt, schreibt oder hinterm Rücken redet, das hat nichts mit euch oder mit mir zu tun, sondern es sagt einzig und allein was über die Person aus, die den Kommentar abgibt.

00:20:29: YoYo Schweizer: Das ist wahr, stimmt. Lass uns doch mal kurz ein bisschen zurückgehen, noch mal zu deinem Blankziehen, zu den Nacktbildern. Hätte noch 2 Fragen und zwar, es klingt so, als ob du schon damals ein sehr großes Selbstbewusstsein hattest oder ein Bewusstsein von ich muss das machen für andere und trotzdem hast du es persönlich nicht geschafft aus der Essstörung zu kommen, wie wie erklärst du dir das? Ich glaub,

00:20:57: Jana Crämer: Dass das 2 verschiedene Baustellen sind. Das eine ist so dieses für mich und ich war leider nie gut darin, Dinge für mich zu machen. Ich hab mich immer damit ausgetrickst, Mutig zu sein für die anderen, weil ich leider gar nicht mutig war und ich bin da reingewachsen. Je mehr ich mutig war für andere, desto mehr hab ich gemerkt, oh, das bewirkt was und es ist gut, was es bewirkt. Und ich war dann so selber der Beweis dafür.

00:21:28: Jana Crämer: Ich hab das schon immer gemacht, dieses erst machen und dann hinterher mal analysieren, ob es gut war. Es ist, Nicht immer gut gewesen, aber meist ist es, dass es mich darin bestärkt hat, hey, guck mal, tut doch gar nicht weh. Und daraus hab ich dann das für mich annehmen können. Früher hab ich Dinge meist für andere gemacht und hab mich damit auch so ein bisschen, das ist so die Königsdisziplin der Selbstverarsche, auch ich hab mir eingeredet, wenn ich es für mich nicht mache, weil ich es mir nicht zugestehe, ist es aber O.

00:22:03: Jana Crämer: K. Es für andere zu machen, weil es ist ja, Nicht schädlich für mich.

00:22:06: YoYo Schweizer: Aber du hast profitiert.

00:22:08: Jana Crämer: Dann, wie bitte, aber du hast profitiert davon. Genau, genau. Und ich habe das für andere gemacht und hab für mich gemerkt, krass, mir tut es gut und je öfter das passiert ist, desto mehr hab ich mir dann auch irgendwann zugestanden, Dinge nur für mich zu machen.

00:22:29: YoYo Schweizer: Was sagst du dir selber, wenn du heute deine Bilder siehst?

00:22:32: Jana Crämer: Wie cool. Weil ich einfach noch mich genau an an die diese Aufregung vorher und diese Zweifel und diese, ja dieses, das es ist halt so krass, wenn man über sich hinaus wächst, wenn man es dann wirklich einfach macht. Ich glaub, dieser Spruch, dass man nur die Dinge bereut, die man nicht gemacht hat, obwohl man das gerne gemacht hätte, das ist das, wo man hinter dran knabbert, aber wenn man mal was macht und das schief geht, ja passiert, ist halt so, aber ich hätte mich geärgert,

00:23:04: Jana Crämer: Wenn ich es nicht gemacht hätte, weil das hat so so viel für mich auch wieder ermöglicht und das hat mich auch ja so nah zu mir selber gebracht. Mein Papa hat immer zu mir gesagt, wenn du irgendwas noch nicht gemacht hast, geh immer davon aus, dass du es kannst. Und das ist auch so meine Haltung. Ich hab das Gefühl, alles ist irgendwie möglich und wenn es nicht möglich ist, dann war es zumindest irgendwie ein spannender Versuch und ich gehe immer mit Neugier an neue Dinge.

00:23:32: YoYo Schweizer: Nur so kann man einfach, Tolle Erfahrungen machen, die man vorher gar nicht für möglich gehalten hat. Ja, lass uns mal jetzt noch über die Kommentare sprechen, so ein Hate Kommentar. Du hast uns einen vorhin schon gesagt, der wahnsinnig heftig ist. Also das ist ja eigentlich, also ich, ich weiß gar nicht, wie man überhaupt so was denken kann, geschweige denn posten kann, wenn da plötzlich so ein Hate Kommentar steht, was macht es im ersten Moment mit dir oder was hat es mit dir gemacht?

00:24:05: Jana Crämer: Früher habe ich die Dinge noch persönlich genommen, inzwischen habe ich verstanden, dass es nichts mit mir zu tun hat, was da online gepostet wird und inzwischen ist es sogar so, dass ich ja weiß, warum man, obwohl das muss ich noch erzählen, also ich habe eine Freundin, die online sehr viel unterwegs ist und sie hat irgendwann mal zu mir gesagt, Ja, bei dir, das ist immer so krass, auf einen Hate Kommentar, da kommen dann immer 5060 Kommentare, die für dich so in die Bresche springen, voll gut, ne, und dann hab ich gesagt, ja, ich bin da auch immer ganz stolz, aber ich verstehe gar nicht, warum diese Personen sowas schreiben und dann sagt sie, wie diese Person, sag ich, ja, diese Hate Kommentare, also manche Sachen, die sind ja so abstrus, also da, da pack ich mir so an Kopf, da sagt sie, hä, das bin doch ich, sag ich, wie, das bist du,

00:25:02: Jana Crämer: Ja, ich hab 5 Accounts, damit bei dir mal 'n bisschen Engagement ist. Nein, was? Ja, jeder große Social Media Account, da muss richtig Hate sein, weil dann ist die Community aktiv und dann hat man da Engagement und dann ist da richtig was los. Ich bin das, sag ich, wie du, wieso sagst du mir das denn nicht? Ja, ich dachte, das weißt du, sag ich, nee, das weiß ich nicht und ich find das auch ziemlich daneben, sagt sie, nee, guck, Das ist voll lieb, was die dann alle schreiben, sag ich, ja, aber du bist auf jeden Fall, das ist eine ganz, ganz fiese Nummer, aber natürlich, sie hat es total lieb gemeint, aber da war so ein paar Kommentare, wo ich so gedacht hab, hä, was stimmt denn nicht mit dir, ne, aber ja, sie hat mir dann erklärt, wie Social Media läuft, hab ich gesagt, das ist sehr, sehr nett, sagt sie, aber so, ja, interessanter Ansatz, sagt sie, ja,

00:25:57: Jana Crämer: Ich hab das in einem Beitrag, den hab ich im Fernsehen gesehen, andere haben da ganze Agenturen, ich hab mir einfach 5 Accounts gemacht und ich schreib immer mal mit einem anderen Account was Fieses drunter, sag ich, ja schön, Danke.

00:26:11: YoYo Schweizer: Jetzt hat aber nicht jeder so eine gute Freundin, die das nicht ernst meint. Wie ist es, welchen welchen Tipp hast du denn für andere, für Jugendliche, für für Leute, die online sind, die Mobbing abbekommen, die Hate, Willkommen, was kann man tun, wie, wie reagiere ich denn richtig, was hilft mir.

00:26:33: Jana Crämer: Erstens, klarmachen, das ist, wenn jemand anders ein Problem mit uns hat, kann er es behalten, ist ja schließlich sein Problem. Punkt 1. Punkt 2, ganz genau gucken, wen man auf seine Party einlädt. Diese Social Media Accounts, die sind ja wie unser Wohnzimmer und unsere Party, unsere Gäste, wenn jemand nervt, blockieren. Wenn du die Person nicht bei dir irgendwie haben willst, es ist überhaupt nicht irgendwie, du hast nicht die Pflicht, jeden reinzulassen in deine Welt.

00:27:06: Jana Crämer: Ganz einfach, wenn dich jemand nervt, wenn jemand irgendwie die ganze Zeit blöde Sachen schreibt oder einfach rumstänkert und schlechte Laune verbreitet, musst du dir das gar nicht geben. Einfach blockieren oder es gibt auch Möglichkeiten, da so so Worte. Auf eine Liste zu setzen und wenn die Worte in einem Kommentar sind, dann wird der gar nicht online angezeigt. Also man darf jetzt ganz ehrlich, also so in der Küche, wenn der Müll stinkt, bringst du ihn doch auch raus.

00:27:38: YoYo Schweizer: Ich liebe die konkreten Beispiele, ja das stimmt. Großartig, also einfach tatsächlich brauche ich nicht in meinem Wohnzimmer, du darfst einfach draußen bleiben, weg. Ja,

00:27:49: Jana Crämer: Wirklich, also dafür ist doch unsere Zeit auch viel zu kostbar. Und wenn dann irgendjemand rumnillt, oh, du bist nicht kritikfähig, ja, Bullshit, ich hab dich nicht nach deiner Kritik gefragt. Also, wer gibt dir das Recht zu urteilen oder hier irgendwie eine Meinung, wenn man nichts Gutes zu sagen hat, einfach mal den Mund halten. Es ist nicht so schwierig und wer damit seine Zeit irgendwie verschwendet, Menschen irgendwie negative Kommentare zu schreiben, die einfach nur aus ihrem Leben berichten. Wenn jemand irgendwie online seinen Content so gestaltet, dass er damit anderen Menschen schadet, wenn der irgendwie seinen Content darauf aufbaut, sich über andere lustig zu machen oder irgendwie sowas macht, da ist quasi auch eingepreist, dass man da auch mal, wenn jemand kritisch online ist, darf man auch immer kritisch drunter sein.

00:28:40: Jana Crämer: Aber wenn jemand einfach nur aus seinem Leben erzählt und damit niemandem weh tut, Ganz ehrlich, wenn du was Gutes zu sagen hast, mach es, wenn du nur rumnölen willst, mach es woanders. Also, es ist doch überhaupt nicht irgendwie relevant. Das heißt,

00:28:56: YoYo Schweizer: Es ist mehr positives Feedback, was bei dir ankommt. Kann das aber auch irgendwie so ein Gefühl, so so ein bisschen Druck machen, immer stark mutig oder inspirierend sein zu müssen? Nee, gar nicht, ich muss es ja nicht.

00:29:11: Jana Crämer: Also, ich, Weiß, dass ich für viele so so. Wie also es hat mal jemand geschrieben, wenn es mir schlecht geht, geh ich bei dir auf den Account, damit es mir wieder besser geht, weil du immer gute Energie hast und das find ich ein super super schönes Kompliment. Aber ich hab ebenso das Bedürfnis zu sagen, dass jede Emotion O. K. Ist, weil früher hab ich mich ja, ich wollte nicht die unangenehmen Emotionen wie Angst oder Traurigkeit oder mal Einsamkeit, das wollte ich alles gar nicht.

00:29:43: Jana Crämer: Gar nicht fühlen und da hab ich auch ja große Probleme mit gehabt, diese Gefühle zuzulassen. Aber inzwischen hab ich gelernt, dass wirklich jede Emotion ihre Berechtigung hat und das eigentlich so die unerwünschten Emotionen eher so Bedürfniserfüllungsgehilfen sind, die zeigen uns auf, wo ein Bereich bei uns verletzt ist, wo wir uns vielleicht nicht sicher fühlen, deswegen spüren wir Angst oder wo wir, Uns nicht wertgeschätzt fühlen, deswegen sind wir sauer oder ne, also das hat ja alles seinen Sinn und ich finde das total wichtig, dass man in allen Bereichen berührbar bleibt und deswegen finde ich es auch völlig O.

00:30:25: Jana Crämer: K., wenn ich mal schlecht drauf bin, das zu zeigen, weil es hat dann auch ein Grund.

00:30:29: YoYo Schweizer: Und hast du das Gefühl, du musst immer etwas zeigen oder wenn du keine Lust hast, machst du es halt auch einfach nicht?

00:30:36: Jana Crämer: Nee, ich hab zum Glück niemanden, der mir da irgendwie hinter sitzt und sagt, also du verdienst hiermit dein Geld, du musst das machen. Deswegen, ich bin ja zum Glück auch kein Influencer. Das ist halt ja eine, finde ich, eine ganz, ganz wichtige Sache. Also deswegen auch mein neues Buch handelt genau davon, einmal ja über Mobbing in der Schule und wie man als ja starke Person daraus erwachsen kann, aber eben auch die Schattenseiten eines Social Media Lebens, weil, Wenn ich an Schulen auftrete, ist häufig, dass Jugendliche zu mir kommen und sagen, hey, kannst du mich fame machen, ich möchte Content Creator werden, ich will Social Media Star werden und deswegen hab ich dieses Buch, das heißt jede Seite an dir, ja geschrieben, um zu zeigen, nee, Social Media, wenn du dahinter quasi den den Wunsch hast, damit dein Leben als Beruf zu bestreiten, ist das ein verdammt, verdammt harter Job.

00:31:31: Jana Crämer: Dann musst du liefern, dann hast du Kunden, dann hast du Menschen, die auf deine ja Engagement Rate, wie das heißt, gucken, wie viele Kommentare, wie viel Likes, wie viel Käufe und also mit Social Media zu leben, so wie ich es nutze, um damit meine anderen quasi meine mein meinen Beruf zu unterstützen und online das weiterzugeben, was mir wichtig ist. Das ist, Großer Spaß und großer Segen und da, wenn du da mal 2 Wochen keinen Bock hast, dann lässt du es halt einfach.

00:32:02: Jana Crämer: Das ist nicht schlimm, aber wenn du als Social Media dein Geld, also Social Media Star oder was auch immer, dein Geld verdienst, dann ist das unfassbar harte Arbeit und also wir brauchen nicht drüber reden, dass, Es überhaupt nicht in Relation steht, was Menschen, die online stattfinden, verdienen und was Menschen mit in sozialen Berufen, wir brauchen das nicht gegenüberzustellen, weil dann kommen wir aus dem Fluchen nicht mehr raus, das ist steht völlig außer Frage, aber jeder Mensch, der Social Media etwas teilt, gibt auch immer ein Stückchen von sich und irgendwann ist halt nichts mehr da und wenn du deinen ganzen Alltag darauf schauen musst, ob.

00:32:49: Jana Crämer: Irgendwas instagramable ist, ob irgendwas viral gehen kann, wo du den nächsten Hype erzeugen kannst, wo du das nächste Drama herkriegst, dann gehst du auch mit dieser Brille durch die Welt und irgendwann siehst du dich selbst auch nur noch durch diese Brille und du fragst dich, ob du richtig fühlst, ob du richtig durch die Tür gegangen bist, ob dein Kaffee heiß genug dampft, ob die Lichtverhältnisse stimmen, ob du mal wieder Drama geben musst oder ob du mal wieder ein, ja, Zusammenbruch haben musst, damit andere Menschen online mitleidend empfinden und du steigerst dich da so sehr rein, dass du es halt hast.

00:33:25: Jana Crämer: Also das war ganz krass, weil ich filme mein neues Buch halt mit vielen, vielen Menschen, die ja als Social Media Star leben, gesprochen habe und ich hab so Verschwiegenheitserklärung natürlich vorher unterschrieben und deswegen ich würde auch niemals Namen sagen, aber es ist krass, wenn man die Menschen vorher online strahlen sieht. Und wenn man dann bei denen auf der Couch sitzt, eine halbe Stunde spricht und sie einfach nur noch zusammenbrechen und du das Gefühl hast, vor dir sitzt ein komplett leeres emotionales Wrack.

00:33:58: Jana Crämer: Und das ist halt so diese Gefahr, weil wir dürfen nie vergessen, bei sehr, sehr vielen Menschen, die online stattfinden, ist das die Bühne. Aber du siehst nie die dreckige Backstage. Und das ist auch, was ich jedem sagen kann, wenn er online vergleicht euch nicht mit Fake.

00:34:15: YoYo Schweizer: Das heißt, wenn du in Schulen bist, wenn du mit Kindern, Jugendlichen sprichst, gibst du auch den Rat zu überlegen, warum gehst du online, machst du das just for fun für dich oder willst du eben Klicks und Likes?

00:34:30: Jana Crämer: Ja, also ich, ich frag natürlich schon immer, wenn die sagen, hey, kannst du mich Fame machen, dann sag ich, ja, aber wofür willst du das denn? Also was, was, was erhoffst du dir denn von diesem Fame? Und dann kommt sehr, sehr häufig halt raus, dass, Ja, sie eigentlich einsam sind und sich wünschen würden, eine Community zu haben. Und das ist halt so, so schade, weil man sollte doch erst mal so links und rechts gucken, mit wem man seinen Tag verbringt, weil da sind doch auch ganz, ganz tolle Menschen und da kann man doch auch Freundschaften pflegen und durch dick und dünn gehen.

00:35:05: Jana Crämer: Aber durch diese ganze Digitalisierung ist es natürlich schon so, dass sehr, sehr viel online stattfindet und, Ich glaube auch, dass man so wie ich früher Brieffreundschaften gepflegt habe, ich glaube genauso, dass es auch online Freundschaften gibt, die man super pflegen kann. Aber ebenso glaube ich auch, dass es total wichtig ist, wenn man mal mit einer Freundin oder mit einem Freund essen geht, dass man das Handy einfach mal in der Tasche lässt. O. K., ich muss kurz das Essen fotografieren, aber du weißt, was ich meine. Ja, ja, klar, aber das Handy einfach mal in der Tasche lässt und sich in die Augen schaut, wenn man sich unterhält und nicht sich gegenseitig TikToks und Reels schickt.

00:35:42: YoYo Schweizer: Find ich mega interessant.

00:35:45: YoYo Schweizer: Unser Podcast läuft ja unter dem Motto 'Mach dich unkaputtbar', ne, also so ein persönliches Schutzschild für den Alltag finden, damit man sich selber schützen kann. Jetzt hab ich bei dir meine raus zu hören, dass du sagst, ich kann so radikal offen sein, ich muss mich nicht schützen, weil ich ich einfach ich bin oder hast du auch so ein Schutzschild, das dich schützt?

00:36:12: Jana Crämer: Ich brauch es wirklich nicht. Also ich hab ein Schutzschild, dass ich merke, wenn ich überfordert bin, weil ich zu viele Sachen irgendwie gleichzeitig machen möchte. Also ich bin jemand, ich mag das sehr, sehr gerne, alleine zu sein. Und ich liebe es alleine essen zu gehen, ich liebe es alleine mal spazieren zu gehen, einfach nur für mich zu sein, weil ich halt mein ganzes Leben mit anderen Menschen verbringe.

00:36:42: Jana Crämer: Ich bin mit einer Band auf Tour, ich bin viel online mit meiner Community, ich bin, wenn ich Auftritte habe, viel mit Menschen und ich brauch aber auch zwischendurch mal so, Mein mein eigenes Zimmer, mein meine eigene irgendwie 2 Stunden Me-Time und die muss ich mir nehmen und ich merke zum Beispiel, wenn ich mir Gedanken über Nährwerte beim Essen mache, zum Beispiel wenn wenn es mir das zum Glück schon lange nicht mehr passiert, aber wenn ich so, ich glaub vor 2 Jahren war das ungefähr, da.

00:37:25: Jana Crämer: Stand ich vom Kühlschrank und hab plötzlich drüber nachgedacht, wie viel Kalorien das hat oder das hat und dann dachte ich so, hä, was ist denn jetzt mit, warum und dann hab ich mich erstmal hingesetzt und hab so drüber nachgedacht, dass das schon lange überhaupt kein Thema mehr war und warum sich so dieser Wunsch nach Kontrolle jetzt irgendwie so zeigt und dann hab ich drüber nachgedacht, dass ich kurz vorher ein Plan bekommen hab, wie die nächsten 4 Wochen aussehen, Und da war nicht ein Tag zu Hause und da war nicht ein Tag irgendwie eingeplant, mal Wäsche zu waschen und das ist bei mir dann schon, dass ich so denke, boah, 4 Wochen am Stück unterwegs sein mit dem vielen Bahnfahren, das immer für mich, ich hab Multiple Sklerose, sehr herausfordernd ist an heißen Tagen, da ist es so, dass mein Körper manchmal, ich sag mal,

00:38:19: Jana Crämer: Da ist das so eine kleine Wundertüte, was an dem Tag nicht funktioniert, mal seh ich schlecht, mal hab ich Lähmung, mal bin ich bisschen inkontinent, mal dies, mal das, mal jenes, ne. Und das muss man dann natürlich auch irgendwie so in das Zeitmanagement mit einplanen, wenn irgendwie bei der Bahn wieder bisschen was ausfällt oder Aufzüge nicht funktionieren und du drauf angewiesen bist, dass hoffentlich jemand kommt, der dir den Koffer die Treppe hochschleppt, dann ist das schon. Du gibst Kontrolle ab, wenn plötzlich der Plan kommt, die nächsten 4 Wochen, Halligalli.

00:38:50: Jana Crämer: Und das hat mich dazu gebracht, dass ich über mir Kontrolle an einer anderen Stelle zurückholen wollte, mit dem Essen. Und dann hab ich gedacht, nee, das ist nicht cool. Und dann hab ich bei meinem Team angerufen, hab gesagt, Leute, also wie habt ihr euch das denn überlegt, also wie soll ich das schaffen? Und dann kam sehr schnell eine Lösung, Nee, dann machen wir das so und so und dann können wir es hier entzerren und dann können wir die Termine verlegen. Ja, und plötzlich war es O. K. Und das habe ich für mich gelernt, dass ich meine meine Ressourcen richtig einschätzen darf und dass ich auch Dinge mal absagen darf oder verschieben darf und dass das O.

00:39:32: Jana Crämer: K. Ist, wenn ich das mache, damit es mir gut geht, weil es bringt ja nichts, wenn ich da irgendwie so viel Stress habe, dass ich es nicht genießen kann, weil ich will es ja gerne machen.

00:39:41: YoYo Schweizer: Also, Grenzen setzen und Zeit für dich ist für dich wichtig. Was würdest du denn jungen Menschen raten, wie sie sich vielleicht schützen können, vielleicht auch bei Themen, die ins Netz gehen oder nicht ins Netz gehen? Du sagst, für mich ist das alles kein Problem, ich mach das öffentlich, ich bin so wie ich bin, ich nehm mir aber die Zeit für mich. Würdest du das jedem raten, einfach zu tun oder sagst du, hey, es gibt so Themen, die müssen nicht unbedingt bei dir vielleicht?

00:40:13: Jana Crämer: Ich finde, nichts muss im Internet stattfinden, überhaupt nicht. Also ich würde wirklich als erstes mal gucken, warum will ich das machen, wenn ich einsam bin zum Beispiel und wenn ich mir dadurch irgendwie ein bisschen ja emotionale Unterstützung oder Freundschaft erhoffe oder dann würde ich sagen, ist das der völlig falsche Grund, um das irgendwie zu machen. Ich würde immer, Schauen, was was der Grund dahinter ist, warum man das machen will und ob man es irgendwo anders herbekommen kann.

00:40:45: Jana Crämer: Also wenn es sich einfach so entwickelt und wenn man mit dem Online sein, also ich mach das jetzt seit seit 2015, also 10 Jahre, wenn sich das irgendwie langsam entwickelt, dann würde ich sagen, guck wo die Reise hingeht, sei neugierig, aber mach es nie für andere, sondern mach es immer, wenn es sich am Ende für dich, Irgendwie gut anfühlt und mach es nicht, weil du irgendwo dazugehören willst oder weil es irgendwie Likes oder was auch immer da gibt.

00:41:18: Jana Crämer: Also dann guck lieber, dass du in in irgendwie ein Verein in der Nähe gehst und dass du dort Freunde hast, die irgendwie das gleiche Hobby haben und mit denen du deine Zeit verbringen kannst. Online ist einfach nur online und das ist ein wunderbares Add on zu allem, aber wenn ich mal irgendwie 3 Wochen nicht online bin, Außer dass ich mein Essen poste, dann ist nicht, dass mir irgendwas fehlt und das soll, finde ich, das ist immer wichtig. Also wir dürfen uns von diesem Online nicht abhängig machen,

00:41:47: YoYo Schweizer: Das heißt online auch nicht als Berufswahl angeben.

00:41:53: Jana Crämer: Finde ich ganz, ganz schwierig, weil dieser Druck, der damit einhergeht, also nee, ich würde als Beruf online, Das ist, glaube ich, einer der krassesten Jobs. Ich würde es mir nicht zutrauen.

00:42:12: YoYo Schweizer: Das heißt, junge Menschen erst mal einen normalen, ich mach es jetzt in Anführungsstrichen, normalen Beruf erlernen lassen, das der Brotshop und alles, was online ist, wo man preisgibt, wo andere Menschen bei mir teilnehmen, rätst du quasi nur als Add-on, weil es sonst meiner Resilienz schadet.

00:42:31: Jana Crämer: Ja, Ich denke wirklich, dass wir mit unserer Zeit sehr, sehr sorgsam umgehen sollten und die nur in dankbare Hände legen. Wenn sich online irgendwas entwickelt, wo man selber sagt, das zu tun, gibt mir mehr Energie als es zieht, geil, dann ist es ein tolles Hobby und dann macht es Spaß. Aber wenn du es mit dem Druck machst, dort Likes, Kommentare, all das bekommen zu müssen, um deine Miete zahlen zu können, dann ist es verdammt.

00:43:01: Jana Crämer: Verdammt, verdammt hart. Und dann ist man auch leicht in der Gefahr, dass man sich in diesen Strudel von, ich muss Drama erzeugen, ich muss mir Lügen einfallen lassen, ich muss ja krasser sein, ich muss mehr bieten, ich muss auffälliger sein und dann ist man irgendwann nicht mehr man selbst. Und das habe ich bei sehr, sehr vielen gesehen und ich empfinde da einfach nur krasses Mitleid, weil ja, Keiner von denen würde diesen Berufs, diese Wahl noch einmal eingehen.

00:43:37: Jana Crämer: Und das Schlimmste ist, wenn man damit aufwächst und von den Eltern da rein gedrückt wird, dann ist man wirklich nur so eine Aktie und wurd schon als kleines Kind dazu erzogen, vor der Kamera abzuliefern und zu performen. Und das ist das Schlimme, dass du nicht mal mehr weißt, wer du bist, wenn die Kamera aus ist.

00:43:59: YoYo Schweizer: Was sind, Also ich hab gerade Gänsehaut, weil das so krasse Worte sind, Wahnsinn. Wow, wir haben jetzt wahnsinnig viel über Online gesprochen, aber ich glaub gerade so dein letzter Satz, dass ich gar nicht mehr weiß, wer ich eigentlich bin, passt jetzt noch zu unserem nächsten Thema, dass ich noch gerne mit dir kurz anreisen würde, zumindest. Wobei kurz anreist, wir müssen einen zweiten Podcast dafür machen, weil das ein Riesenthema ist.

00:44:25: YoYo Schweizer: Bodyshaming und Mobbing. Ja, Ne, man weiß nicht mehr, wer man selber ist. Du kennst Mobbing seit deiner Kindheit. Wir können mal ganz kurz das Wort Bodyshaming noch erklären. Bodyshaming ist ein Verhalten, dass Menschen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbild kritisiert, beleidigt oder diskriminiert werden. Das Ziel ist es, der betroffenen Person das Gefühl zu geben, dass ihr Körper nicht normal, nicht schön oder nicht gut genug sei. Du hast das selber seit deiner Kindheit erlebt.

00:44:58: YoYo Schweizer: In der Schule, was macht Bodyshaming, was macht Mobbing mit einem?

00:45:04: Jana Crämer: Es Isoliert, es macht unglaublich traurig, weil du schon mit der Erwartung in den Schultag startest, dass da wieder eine Gruppe von Menschen ist, die auf Fehlersuche geht, die sich darüber lustig macht, was bei an dir nicht ins Bild passt und, Das Schlimmste ist, wenn man dann morgens aufsteht und vorm Spiegel steht und versucht, den Grund schon vorher zu finden, um ihn verschwinden zu lassen.

00:45:38: Jana Crämer: Entweder, dass man ja entsprechende Klamotten anzieht, um irgendwas zu verstecken, oder dass man ja, es geht nicht nur um Körper, sondern es geht auch, wenn man irgendwie, Zum Beispiel Akne hat, dass man sich bis zur ja Unkenntlichkeit schminkt, obwohl eigentlich die Haut Luft braucht, aber dass man quasi all das versucht zu verstecken, was anderen eine Angriffsfläche bietet, weil man irgendwann glaubt, dass sie recht haben, dass da Fehler sein müssen und dann hofft man, dass man die Fehler vorher findet, um sie ja zu verstecken, damit sie an dem Tag nichts finden und das ist halt so, dass man irgendwann glaubt, sie haben recht,

00:46:21: Jana Crämer: Das ist das Schlimmste.

00:46:23: YoYo Schweizer: Und wie bist du damit umgegangen, mit dem Satz im Kopf:

00:46:28: Jana Crämer: 'Sie haben recht?' Ich bin in die Essstörung geflüchtet. Ich wusste damals nicht, dass ich ein, also an Lipödem erkrankt bin seit der Pubertät. Also ich war schon immer ein bisschen mehr als die anderen, aber ja, wie mein Papa gesagt hat, einfach bisschen mehr zum Liebhaben. Aber damals, wenn ich mir so die alten Fotos von mir aus der Kindheit angucke, ich war, Nie, dass es irgendwie einen Arzt besorgniserregend gefunden hätte. Das kam dann halt erst mit der Pubertät, wo mein Körper sich so entwickelt hat, dass ich aussah wie so ein gescheitertes Experiment.

00:47:01: Jana Crämer: Der Oberkörper hat nicht zum Unterkörper gepasst, ne. Und oben war ich ganz schmal, unten war ich total breit, es waren teilweise ja wirklich 10 Kleidergrößen, die dazwischen lagen und ich wusste nicht, dass ich Lipödem habe. Die Ärzte haben halt nur gesagt, ja verwächst sich, ne, oder irgendwie, Ja, wenn ich dann gefragt hab, ja, aber wo kommen denn die blauen Flecken an den Beinen her, ja, viel Masse will halt vorsichtig bewegt sein, ne, also da kam dann nur so dumme Sprüche und ja, ich hab dann versucht, das wegzuhungern, aber du kannst ein Lipödem halt nicht abnehmen, das ist eine Fettverteilungsstörung, die einfach sich dadurch zeigt, dass halt bei mir war es dann ab dem ab dem Bauchnabel, das ist halt sehr, sehr breit geworden ist und ich hab dann einfach in der Schule.

00:47:49: Jana Crämer: Damals schon Jogginghosen getragen. Also heute würde ich sagen, ich war der, ich war Trendsetter, damals hat es niemand außer mir getan. Ich war auf jeden Fall sehr früh mit dabei, aber in Wahrheit hab ich einfach nur versucht, mich zu verstecken. Ich hab schwarze Weste mit schwarzem Shirt und schwarze Jogginghose getragen. Also ich wollte einfach mich auflösen, wollte weg sein. Und hab das Ganze dann mit Hungern versucht und bin obenrum immer schmaler geworden, aber unten ist es halt so breit geblieben, Ne.

00:48:22: YoYo Schweizer: Wie bist du rausgekommen.

00:48:26: Jana Crämer: Aus der Essstörung, auch.

00:48:28: YoYo Schweizer: Aus diesem Mobbing, dass du dich so in dich hineingezogen hast,

00:48:35: Jana Crämer: Indem ich verstanden habe, dass es nur ein Körper ist, Und dass diese, dass diese Mobbing Sachen einfach nur. Ja, ein verzweifelter Versuch von irgendwelchen Menschen sind, die sich selbst nur dadurch aufwerten können, indem sie andere abwerten. Wer jemanden mobbt, ist einfach nur ein ein armes Würstchen, weil niemand, dem es selber gut geht, wirklich niemand auf der ganzen Welt, dem es selber gut geht, zieht seine Freude daraus, jemand anders klein zu machen.

00:49:07: Jana Crämer: Das sind Menschen mit einem ganz, ganz, ganz großen Problem und sie, Fühlen sich nur dann größer, wenn sie andere abwerten. Und diese diese Mobbingspirale, die in der Schulzeit hab ich es einfach durchgestanden am Ende. Ich hab es einfach durchgestanden und hab mir außerhalb der Schule meine Freunde gesucht, außerhalb der Schule meinen Safe Spot und hab einfach Schuhe durchgezogen und mich drauf gefreut, dass ich die alle nicht mehr sehen muss.

00:49:41: YoYo Schweizer: Und dann landen wir wieder am, Wahrscheinlich Anfang unseres Podcasts, wo du gesagt hast, ich hab anderen geholfen und damit mir geholfen, oder?

00:49:50: Jana Crämer: Ja, im Endeffekt ist es genau das und genau diese diese Einstellung zu all dem weiterzugeben, das ist halt das, wo auch dann sehr viele Mamas zu mir kommen und Papas, die dann online schreiben und sagen, hey krass, ich hab deine Videos meiner Tochter gezeigt oder ich hab dein dein Buch habe ich verschenkt und, Ich hab es aber erst selber gelesen und jetzt haben wir ein Thema, worüber wir sprechen können und das ist irgendwie so das Schönste, dass alles, was ich irgendwie mache, sei es jetzt irgendwie Podcast oder meine Bücher oder meine kleinen Videos online, dass die inzwischen einfach nur noch so eine Brücke sind und das finde ich das Schönste, dass ich am Ende egal bin, sondern dass einfach nur das Thema, was ich da irgendwo angerissen hab, plötzlich ein Thema ist und kein Tabuthema und dass man dann einfach drüber.

00:50:38: Jana Crämer: Sprechen kann und sagen kann, ey, hast du das von Jana gesehen, die hat ihm das erzählt, was denkst du und plötzlich geht es gar nicht mehr um mich und das ist irgendwie voll cool.

00:50:47: YoYo Schweizer: Das ist wunderschön und es ist wirklich einfach wunderschön. Punkt. Ja, ich hab, ich hab noch 2 Fragen, was würdest du deinem jüngeren Ich sagen wollen oder vielleicht gar nicht deinem jüngeren Ich, sondern den vielen kleinen und großen Menschen, Denen es so ergeht, wie es dir damals ging.

00:51:13: Jana Crämer: Du bist nicht auf der Welt, um die Erwartung anderer zu erfüllen. Das ist das Wichtigste. Du darfst bei dir bleiben, du darfst gucken, was du möchtest und du darfst sehr, sehr weise wählen, wer deine Berater sind. Wir brauchen nicht viele Menschen, deren Meinung uns wichtig ist, wenn wir ein Paar haben, wo wir wissen, dass die das, Beste für uns im Sinn haben, dann dürfen wir auch mal uns gern unbequeme Meinungen und Kritik anhören, weil sie für uns ist, damit wir besser werden, damit es uns besser geht, dass wir daran wachsen können.

00:51:51: Jana Crämer: Aber alle anderen, wenn du die Person nicht um Meinung fragen würdest, hör dir deren Kommentare, wenn sie negativ sind, nicht an, wenn sie dir gut tun, wenn sie dich weiterbringen, dann hör immer genau hin. Aber wenn du merkst, dass sie Energie ziehen, dass sie dich traurig machen, dass sie vielleicht sogar beleidigen, das ist dein Recht. Du darfst immer noch entscheiden, wer dich stresst. Das dürfen wir echt selber entscheiden, jeden Tag aufs Neue.

00:52:21: Jana Crämer: Ich darf entscheiden, wer mich ärgert.

00:52:26: YoYo Schweizer: Wunderschön, wir haben ganz viel über Resilienz von dir für dich gesprochen, Resilienz im Alltag. Gibt es denn so ein tägliches Ritual oder so ein Moment der Achtsamkeit, Den du dir täglich bewusst schenkst, um die Akkus wieder aufzuladen. Vielleicht 1, dass du mit uns teilen kannst, dass man auch nachmachen kann. Oh, sie freut sich schon, es zu erzählen. O.

00:52:48: Jana Crämer: K., Ja, ich bin tatsächlich ausgebildeter Resilienz Coach und ich gab bei der Ausbildung zum Mesource Coach ein ganz, ganz tolles Ritual gefunden, was ich jeden Tag mache und zwar aktiviere ich meine super Ressourcen und, Dazu, das mach ich am mir allerliebsten abends im Bett und dann überleg ich so, an welchem Tag heute konnt ich unglaublich gut entspannen, was war ein Moment der Mitfreude, wann war ich heute stolz, wann hab ich ein Flowgefühl gespürt und wann hab ich heute Ehrfurcht erlebt und in diese Gefühle geh ich dann rein und denk so über den Tag nach.

00:53:34: Jana Crämer: Und manchmal ist es so, dass ich nichts finde und das nervt mich dann richtig vorm Schlafengehen, wenn ich dann so lange brauche. Und das bedeutet, dass ich dann am nächsten Tag wieder sehr achtsam durch die Welt gehe, damit ich so einen schönen Moment finde, dass ich am nächsten Abend nicht so lange wach bleiben muss. Das ist ja süß. Schreibst du die auf oder hast du die nur im Kopf? Die hab ich im Kopf. Nee, nee, die hab ich wirklich einfach. Dann liege ich da, vorher mach so ein bisschen Resonanzatmung und dann. Wenn ich dann schon so schön in meiner Mitte bin und schon so kurz vorm Eindösen, dann gehe ich so meinen Tag durch und dann überlege ich, welche welche Momente es ist dann gab und dann spüre ich da noch mal rein und genieß das und dann, ja, dann schlaf ich einfach ein.

00:54:20: YoYo Schweizer: Wir haben über Sophie gesprochen, ich glaube, wir könnten jedes Thema noch ungefähr 10 Stunden weiter sprechen. Ich möchte dir danken für deine Zeit, für deinen Überblick und auch für, Für dich einfach. Das ist einfach unfassbar toll, mit dir zu sprechen, wie du in dir weilst und wie du dich weitergibst.

00:54:42: Jana Crämer: Vielen Dank. Was ein schönes Kompliment. Danke, es hat mir auch richtig Spaß gemacht.

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